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Verträglich Reisen 2005
Lebendige Stadt am Øresund
Kopenhagen per Fahrrad


Erstens ist die dänische Küche mindestens so lecker und vielfältig wie die deutsche, was ebenso für die Künste der Bäckereien gilt. Zweitens bieten gerade in Kopenhagen zahlreiche Gasthäuser Speisen aus aller Herren Länder auch zu familienfreundlichen Preisen an. Man muss ja nicht gerade mitten im Touristenzentrum der Fußgängerzone dinieren. Drittens schmecken die roten dänischen Hot-Dogs gar nicht so schlecht. Unsere Kinder sind tagelang beleidigt, wenn sie im Urlaub keine Pølser bekommen. Und viertens kenne ich außer Kopenhagen – und Zürich – weltweit keine andere Stadt, in der man sich kostenlos Fahrräder ausleihen kann. Gründe genug also, um die über 800 Jahre alte dänische Hauptstadt mal näher zu betrachten und vielleicht das eine oder andere Positive abzuschauen.
Nimmt man die mit ihr verwachsenen Umlandgemeinden hinzu, zählt Kopenhagen insgesamt 1,7 Millionen Einwohner. Die Hektik anderer Millionenstädte gibt es hier aber überhaupt nicht. Gerade in Frühling und Sommer strahlt die dänische Metropole eine besondere Leichtigkeit und Freundlichkeit aus. Kopenhagen ist lebendig, innovativ, weltoffen sowie traditions- und umweltbewusst zugleich. Deshalb lässt sich die historisch gewachsene Stadt am Øresund mit ihren vielen alten Gassen, Museen und Prunkgebäuden auch am besten zu Fuß und per Fahrrad erkunden. Dazu gibt es seit 1995 das kostenlose "Københavnske Bycykel". Es ist ein einfaches, aber praktisches und robustes Stadtfahrrad, das man sich an 110 Stationen verteilt im ganzen Stadtgebiet ausleihen kann. Wie bei einem Einkaufswagen braucht man lediglich ein 20 Kronen Stück (rund 2,5 Euro), das nach Rückgabe des Radls wieder ausgespuckt wird. Ursprünglich zur kostengünstigen Entlastung der Straßen vom Autoverkehr gedacht, hat sich das Bycykel inzwischen zu einer eigenen Touristenattraktion entwickelt. Die jeweils zwischen Mai und Dezember zur Verfügung stehenden Räder sind beliebt bei Urlaubern wie bei Einheimischen. "Vom Politiker bis zum Firmendirektor: Das Fahren auf einem auffälligen Stadtfahrrad gilt inzwischen in Kopenhagen als Image fördernder als mit einem nagelneuen, hochpolierten BMW vorzufahren", heißt es bei der "Fonden Bycyklen i København", die das Projekt leitet. Selbst Ex-US-Präsident Bill Clinton radelte bereits auf dem Bycykel. Aufgrund des Erfolgs soll die Zahl der Räder bald auf 3.000 erhöht werden, was der Stadt zudem kaum etwas kostet. Sponsoren finanzieren die neuen City-Bikes.
Informationen
• Fonden Bycyklen i København
info@bycyklen.dk, www.bycyklen.dk
• Wonderful Copenhagen
Tel. 0045 (0)70222442
touristinfo@woco.dk
www.visitcopenhagen.dk
• Unterkunft: Eine dänisch-praktische Erfindung wie das "Bycykel" sind die Cab Inn-Hotels. Besitzer ist ein Schiffsingenieur aus Dänemark, der die Idee hatte, preiswerte, aber gleichzeitig auch komfortable Unterkünfte nach dem Prinzip von Schiffskabinen anzubieten.
• CAB INN City
Mitchellsgade 14, DK-1568 København
Tel. 0045 (0)33461616a
city@cabinn.com
www.cabinn.dk
• Anreise: Der DB NachtZug fährt täglich (außer am 24. und 31.12.) aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet sowie von München aus nach Kopenhagen. Räder dürfen mitgenommen werden. Tel. 01805 141514 (0,12 €/min) oder: www.nachtzugreise.de
Damit die Räder nicht bei "Langfingern" verschwinden, sind sie eine dänische Eigenproduktion aus Bauteilen, die zu keinem anderen Fahrrad passen. Überdies kostet es eine Strafe von rund 130 Euro, wenn man mit dem Bycykel über die Stadtgrenzen Kopenhagens hinausradelt. So hält sich die jährliche Verlustrate mit etwa 10 bis 15 Prozent in Grenzen. Umgekehrt stellte die Polizei schon in den ersten Jahren nach Einführung des Bycykel einen besonderen Nebeneffekt des Verkehrsprojekts fest. Die Zahl der Diebstähle privater Fahrräder ging jährlich um einige tausend zurück. Das liege daran, so die Kriminalexperten, dass die Gelegenheitsdiebstähle, nur um schnell mal irgendwo hinzukommen, viel seltener geworden sind, weil das Stadtrad überall kostenlos zur Verfügung steht. Allein die dänischen Versicherungen sparen damit pro Jahr über eine halbe Million Euro ein.
Natürlich kann man Kopenhagen ebenso mit dem eigenen Fahrrad kennen lernen, was den Vorteil hat, über die Stadtgrenzen hinaus radeln zu dürfen. Interessante Ziele sind der herrliche Roskilde Fjord und das Wikingermuseum mit der Wikingerschiffswerft in Roskilde. Dort werden die Schiffe der Nordmänner nicht nur original getreu nachgebaut. Man kann auch auf den schnellen Schiffen auf dem Fjord mitsegeln – nicht nur für Kinder und Wickie-Fans ein einmaliges Erlebnis.
Norbert Suchanek


