Die Dolomiten tragen den UNESCO-Titel seit 2009. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt kaum ein Tal so greifbar wie das Grödnertal. Gherdëina, wie die Einheimischen es auf Ladinisch nennen, streckt sich zwischen schroffen Felstürmen und saftig grünen Almwiesen durch das Herz Südtirols. Hier treffen Wanderwege auf Skipisten, Gasthausküchen auf jahrhundertealte Holzschnitzkunst. Egal, ob du im Juli oder im Januar kommst – langweilig wird dir in diesem Tal garantiert nicht.
Zu Fuß durch die Dolomiten: Wandern rund um St. Christina
Zwischen St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein verläuft ein Wegenetz, das selbst erfahrene Bergwanderer überrascht. Gemütliche Rundwege über Almwiesen liegen nur wenige Kilometer von richtig anspruchsvollen Klettersteigen entfernt. Die Umrundung der Langkofelgruppe gilt als einer der Klassiker – kein Wunder, dass sich Wanderer aus ganz Europa ins Grödnertal aufmachen. Mountainbike-Trails für jedes Können kommen noch dazu, und mehrere Seilbahnen erschließen die höheren Lagen auch für Gelegenheitswanderer.
St. Christina eignet sich als Standort besonders gut. Ein Hotel in St. Christina mit Spa-Bereich und Südtiroler Halbpension liegt mittendrin zwischen den drei Hauptorten. Du sparst dir morgens die Anfahrt zu den Einstiegspunkten und bist abends trotzdem schnell zurück.
Mit dem Guest Pass durchs Tal – ganz ohne Auto
Im März 2023 erhielt das Grödnertal das Zertifikat des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) – eine internationale Auszeichnung für nachhaltigen Tourismus, die sich für dich ganz praktisch bemerkbar macht. Der Val Gardena Guest Pass berechtigt zur kostenlosen Nutzung aller Buslinien im Tal. Parkplatz statt Passstraße, Busfahrt statt Stau. Das funktioniert erstaunlich reibungslos und hält den Kopf frei für die Berglandschaft.
Ski, Langlauf und verschneite Wanderwege
Im Winter verwandelt sich das Grödnertal in ein Skigebiet von beeindruckender Größe. Das Dolomiti-Superski-Netz umfasst 1.200 Pistenkilometer und 450 Lifte über zwölf zusammenhängende Gebiete. Von St. Christina aus lässt sich die Sellaronda starten, eine 40 Kilometer lange Runde um den Sellastock, die an einem Tag machbar ist. Die Ausblicke unterwegs vergisst du so schnell nicht. Ein besonderes Highlight für Ski-Fans ist das jährliche FIS Weltcup-Rennen auf der legendären Saslong-Piste, das jeden Dezember tausende Zuschauer ins Tal lockt. Wer rechtzeitig anreist, kann die schnellsten Abfahrer der Welt aus nächster Nähe über die berüchtigten Kamelbuckel fliegen sehen. Abseits der präparierten Hänge warten geräumte Winterwanderwege und Langlaufloipen durch stille Wälder. Wem Trubel auf der Piste zu viel wird, findet hier garantiert ruhigere Alternativen.
Südtiroler Küche und Erholung nach dem Berg
Schlutzkrapfen mit Spinatfüllung, Kaspressknödel, ein ordentliches Speckbrettl – die Berggasthöfe im Grödnertal kochen mit Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung, und das schmeckt man bei jedem Bissen. Nach einem langen Tag in den Bergen tut eine warme Mahlzeit richtig gut. Danach noch in die Sauna oder den Pool – die meisten Unterkünfte im Tal bieten Wellnessbereiche, die diesen Namen tatsächlich verdienen. Abends bleibt dann genug Zeit, um bei einem Glas Südtiroler Wein den Tag Revue passieren zu lassen.
Ladinisch: Sprache, Schnitzkunst und lebendige Tradition
Das Grödnertal hat kulturell mehr zu bieten, als viele vermuten. Ladinisch, eine rätoromanische Sprache, gehört für einen Großteil der Bevölkerung zum Alltag – auf Straßenschildern, in Schulen, am Stammtisch. Das Museum Gherdëina in St. Ulrich dokumentiert die Geschichte des Tals und die Grödner Holzschnitzerei, ein Handwerk, das seit Jahrhunderten betrieben wird und bis heute weltweit exportiert wird. Ein Abendspaziergang durch St. Ulrich oder Wolkenstein reicht aus, um zu merken, dass Kultur und Alltag hier noch eng miteinander verflochten sind.
So kommst du hin – und wann sich die Reise lohnt
Die Anreise gelingt am bequemsten mit dem Zug bis Bozen und anschließend per Linienbus ins Tal. Die Verbindungen sind regelmäßig getaktet, und du sparst dir die enge Passstraße. Wandersaison läuft von Mitte Juni bis Oktober, Skifahren von Dezember bis Ende März. Dazwischen liegt die Nebensaison – ruhiger, günstiger und trotzdem lohnend.
Lesetipp: Falls du flexibel reist und auch Camping in Betracht ziehst, hilft dir unser Ratgeber zum Campingurlaub bei der Vorbereitung.

